3. Becken, Hüfte und Gesäß

Die wichtigsten Muskeln in Becken, Hüfte und Gesäß, die bei meiner Massage eine wichtige Rolle spielen.

Bei der Frage nach Beschwerden wird häufig auf eine Stelle am unteren Rücken, auf den Beckenkamm oder seitlich auf die Hüfte gezeigt. Manchmal wandert die Hand anschließend weiter in Richtung Gesäß oder Oberschenkel. Schon diese kleine Suchbewegung deutet an, wie eng die Regionen miteinander verbunden sind.

Das Becken bildet den Übergang zwischen Wirbelsäule und Beinen. Große, kräftige Muskeln bewegen das Hüftgelenk und stabilisieren den Körper beim Stehen und Gehen. Unter ihnen verlaufen kleinere Muskeln, Sehnen, Bänder, Blutgefäße und Nerven. Eine Empfindung an der seitlichen Hüfte kann deshalb einen anderen Ursprung haben als ein Druckgefühl am Kreuzbein oder tief im Gesäß.

Anatomische Darstellung der Gesäß- und tiefen Hüftmuskulatur auf einer Massageliege
Oberflächliche und tiefe Muskulatur von Gesäß, Hüfte und Becken in Rückenansicht.

Für die Massage ist diese Region besonders interessant. Einerseits liegen hier große Muskelbäuche, die sich gut ertasten lassen. Andererseits befinden sich einige wichtige Strukturen in der Tiefe. Lage, Druckrichtung und Rückmeldung spielen deshalb eine große Rolle.

Das Becken als Verbindung

Das knöcherne Becken besteht aus den beiden Hüftbeinen, dem Kreuzbein und dem Steißbein. Jedes Hüftbein setzt sich wiederum aus Darmbein, Sitzbein und Schambein zusammen. Gemeinsam bilden diese Knochen einen stabilen Ring zwischen Rumpf und Beinen. [1]

Eine besonders direkte muskuläre Verbindung zum Rücken bildet der M. psoas major. Er entspringt an der unteren Brust- und Lendenwirbelsäule, zieht durch das Becken und setzt gemeinsam mit dem M. iliacus am Oberschenkelknochen an. So verbindet er Wirbelsäule, Becken und Bein auf der Vorderseite des Körpers. [7]

Mehrere gut tastbare Knochenpunkte helfen bei der Orientierung. Dazu gehören der Beckenkamm, das Kreuzbein, der große Rollhügel des Oberschenkelknochens und die Sitzbeinhöcker. Zwischen ihnen verlaufen die Muskeln, die Hüfte und Oberschenkel bewegen.

Diese Region leistet im Alltag erstaunlich viel. Beim Gehen wird das Körpergewicht mit jedem Schritt von einer Seite auf die andere übertragen. Beim Aufstehen richtet sich die Hüfte auf. Beim Sitzen verändert sich die Belastung erneut und konzentriert sich stärker auf Gesäß und Sitzbeinhöcker.

Auf der Massageliege wird das Becken daher nicht allein als knöcherne Mitte betrachtet. Es ist ein Treffpunkt verschiedener Muskelzüge: vom unteren Rücken, vom Bauch, vom Gesäß und von den Oberschenkeln.

Die drei Gesäßmuskeln

Die Form des Gesäßes wird hauptsächlich von drei übereinanderliegenden Muskeln bestimmt: dem M. gluteus maximus, dem M. gluteus medius und dem M. gluteus minimus.

M. gluteus maximus

Der große Gesäßmuskel liegt weitgehend an der Oberfläche. Er beginnt unter anderem am hinteren Darmbein und am Kreuzbein und zieht schräg nach außen und unten. Ein Teil seiner Fasern setzt am Oberschenkelknochen an, ein anderer geht in den Tractus iliotibialis an der Außenseite des Oberschenkels über. [2]

Seine Faserrichtung lässt sich bei der Massage gut nachvollziehen. Von der Mitte des Beckens fächert sich der Muskel in Richtung Hüfte und Oberschenkel auf. Er ist wesentlich an der Streckung der Hüfte beteiligt und arbeitet kräftig beim Aufstehen, Treppensteigen und Aufrichten aus einer gebeugten Haltung. [2]

Innerhalb dieses großen Muskels können sich einzelne Bereiche sehr unterschiedlich anfühlen. Manchmal liegt die deutlichste Druckempfindlichkeit nahe dem Kreuzbein, manchmal weiter außen oder am Übergang zum Oberschenkel. Auch Punkte mit einer ausstrahlenden Empfindung können hier auftreten. Die genauere Einordnung solcher Stellen beschreibe ich im Artikel über Triggerpunkte.

M. gluteus medius und M. gluteus minimus

Der mittlere Gesäßmuskel liegt seitlich am Becken. Sein oberer Abschnitt ist zwischen Beckenkamm und Hüfte gut erreichbar; ein Teil wird vom großen Gesäßmuskel überlagert. Unter ihm befindet sich der kleinere und tiefer gelegene M. gluteus minimus. [3]

Beide Muskeln führen den Oberschenkel zur Seite. Noch wichtiger ist ihre stabilisierende Aufgabe beim Gehen: Sobald ein Bein den Boden verlässt, helfen die Muskeln der anderen Seite dabei, das Becken waagerecht zu halten. [3]

Bei der Massage ist besonders der Bereich unterhalb des Beckenkamms häufig auffällig. Die Empfindung kann örtlich bleiben oder sich über die seitliche Hüfte fortsetzen. Weil der M. gluteus minimus unter dem M. gluteus medius liegt, lässt er sich von außen nicht einfach als klar begrenzter einzelner Muskel ertasten. Druckrichtung, Lage und Bewegung geben hier mehr Orientierung als die Vorstellung, jede Schicht sauber voneinander trennen zu können.

Die seitliche Hüfte

An der Außenseite des Beckens liegt der M. tensor fasciae latae, der Schenkelbindenspanner. Er beginnt am vorderen Abschnitt des Beckenkamms und geht bereits im oberen Oberschenkel in den Tractus iliotibialis über. Dieser kräftige Faserzug verläuft entlang der Außenseite des Oberschenkels bis in die Nähe des Knies. [4]

Der Muskel arbeitet mit dem M. gluteus medius und dem M. gluteus minimus zusammen. Er beteiligt sich an der Beugung, Abspreizung und Einwärtsdrehung der Hüfte und unterstützt die Stabilität beim Stehen und Gehen. [4]

In der Praxis wird häufig die gesamte seitliche Linie als „Hüfte“ bezeichnet. Dort liegen jedoch Muskelbauch, Sehnenansätze, Faszien und Knochen dicht beieinander. Der gut tastbare große Rollhügel bildet dabei einen wichtigen Orientierungspunkt.

Bei der Massage arbeite ich in diesem Bereich meist entlang der angrenzenden Muskelverläufe. Der Tensor fasciae latae ist relativ klein, während der mit ihm verbundene Tractus iliotibialis weit am Oberschenkel hinunterzieht. Die Spannung einer solchen Region lässt sich deshalb sinnvoller im Zusammenhang von Becken, Gesäß und Oberschenkel betrachten.

Unter dem großen Gesäßmuskel

Unter dem M. gluteus maximus liegen mehrere kleinere Muskeln. Zu den tiefen Außenrotatoren der Hüfte gehören:

  • M. piriformis
  • M. obturatorius internus
  • M. obturatorius externus
  • M. gemellus superior
  • M. gemellus inferior
  • M. quadratus femoris

Diese Muskeln verlaufen überwiegend vom Becken zum oberen Ende des Oberschenkelknochens. Gemeinsam beteiligen sie sich an der Drehung und Führung des Hüftgelenks. [5]

Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist der M. piriformis. Er entspringt an der Vorderfläche des Kreuzbeins, verlässt das Becken durch eine größere knöcherne Öffnung und zieht zum großen Rollhügel des Oberschenkelknochens. Dabei liegt er tief unter dem großen Gesäßmuskel. [5]

Seine Bekanntheit verdankt er vor allem seiner Nachbarschaft zum Ischiasnerv. Für die Massage ist zunächst seine Lage interessant: ungefähr zwischen Kreuzbein und seitlicher Hüfte, eingebettet in eine Gruppe weiterer tiefer Muskeln. Von außen lässt sich diese Schicht nur über die darüberliegenden Gewebe erreichen.

Auch hier entsteht die Orientierung aus mehreren Informationen. Ich ertaste die knöchernen Bezugspunkte, beachte die Richtung des Drucks und lasse mir beschreiben, wie die Empfindung wahrgenommen wird. Ein tiefer Druck fühlt sich in dieser Region deutlich anders an als die Arbeit am oberflächlichen Gluteus maximus.

Der Ischiasnerv als wichtiger Nachbar

Der N. ischiadicus, der Ischiasnerv, ist der kräftigste Nerv des menschlichen Körpers. Er verlässt das Becken normalerweise unterhalb des M. piriformis und zieht anschließend tief durch die Gesäßregion weiter an die Rückseite des Oberschenkels. Sein genauer Verlauf kann von Mensch zu Mensch variieren. Bei manchen Menschen teilen sich seine Hauptanteile bereits weiter oben oder verlaufen in unterschiedlicher Beziehung zum Piriformis. [5][6]

Damit liegt mitten in einer kräftigen Muskelregion zugleich eine wichtige Nervenbahn. Druck kann dort örtlich, in der Tiefe oder ausstrahlend wahrgenommen werden. Eine ziehende Empfindung ist allerdings zunächst eine Beschreibung dessen, was ein Mensch spürt. Für ihre medizinische Ursache kommen verschiedene Strukturen und Zusammenhänge infrage.

Bei der Massage achte ich deshalb genau auf die Qualität der Rückmeldung. Ein breiter, als angenehm empfundener Druck verlangt eine andere Reaktion als eine plötzlich einschießende, elektrisierende oder taube Empfindung. Dann verändere ich Druckrichtung und Intensität oder verlasse die Stelle.

Kreuzbein, Sitzbeinhöcker und Muskelansätze

Das Kreuzbein liegt wie ein Keil zwischen den beiden Hüftbeinen. An seinen Rändern beginnen unter anderem Fasern des großen Gesäßmuskels. Oberhalb schließen die Muskel- und Faszienzüge des unteren Rückens an.

Weiter unten lassen sich die Sitzbeinhöcker ertasten. An ihnen setzen mehrere Muskeln der Oberschenkelrückseite an. Die sogenannten Hamstrings ziehen von dort über den hinteren Oberschenkel und wirken sowohl auf die Hüfte als auch auf das Knie.

Damit beginnt die Oberschenkelmuskulatur nicht erst deutlich unterhalb des Gesäßes. Ihre Ursprünge liegen bereits am Becken. Eine druckempfindliche Stelle nahe der Gesäßfalte kann deshalb zum Übergang zwischen Gesäß und Bein gehören.

In diesem Bereich geben die Knochenpunkte Orientierung, während die eigentliche Massage den angrenzenden Muskel- und Sehnenverläufen folgt. Die Sitzbeinhöcker selbst benötigen keinen kräftigen Druck, um gefunden zu werden.

Das kleine Becken und der Beckenboden

Innerhalb des knöchernen Beckens wird zwischen dem großen und dem kleinen Becken unterschieden. Das kleine Becken liegt unterhalb des Beckeneingangs und enthält unter anderem Teile von Blase, Darm und inneren Geschlechtsorganen. Seinen unteren muskulären Abschluss bildet der Beckenboden. [8]

Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskel- und Bindegewebsschichten. Einen wesentlichen Anteil bildet der M. levator ani, zu dem unter anderem M. puborectalis, M. pubococcygeus und M. iliococcygeus gehören. Gemeinsam mit dem M. coccygeus trägt diese Muskulatur die Organe des kleinen Beckens und ist an der Kontrolle von Blase und Darm beteiligt. [8]

Bekannt ist der Beckenboden vor allem im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Beckenbodentraining und Inkontinenz. Seine Funktion beruht auf Kraft, Entspannungsfähigkeit und einer gut abgestimmten Koordination. Das gezielte Training und die Behandlung entsprechender Beschwerden bilden deshalb ein eigenes therapeutisches Gebiet.

Auf dieser Seite bleibt der Beckenboden ein wichtiger Teil der anatomischen Landkarte. Der Schwerpunkt meiner Massage liegt auf den von außen erreichbaren Strukturen rund um Kreuzbein, Hüfte und Gesäß.

Was ich bei der Massage ertaste

Am Becken und Gesäß arbeite ich mit größeren Flächen ebenso wie mit einzelnen Punkten. Zunächst verschaffe ich mir einen Eindruck von der gesamten Region. Wie liegen beide Beckenseiten auf der Unterlage? Wie fühlt sich der Übergang vom unteren Rücken zum Gesäß an? Wo verändert sich das Gewebe in Richtung seitlicher Hüfte oder Oberschenkel?

Der große Gesäßmuskel erlaubt breite, ruhige Griffe. Entlang des Beckenkamms und an der seitlichen Hüfte wird die Arbeit genauer. Tiefer liegende Bereiche erreiche ich über einen langsamen Druckaufbau und eine Richtung, die sich an den anatomischen Strukturen orientiert.

Dabei ist die Rückmeldung des Menschen auf der Liege entscheidend. Manche Stellen fühlen sich sofort vertraut an. Bei anderen wird eine Verbindung erst durch eine kleine Bewegung des Beines oder eine veränderte Druckrichtung erkennbar.

Die Seitenlage kann zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. In dieser Position lassen sich seitliche Hüfte, Beckenkamm und bestimmte Teile der Gesäßmuskulatur anders erreichen als in Bauchlage. Kissen und Lagerung sorgen dafür, dass der Körper dabei ruhig und bequem liegen kann.

Becken, Rücken und Beine gehören zusammen

Das Becken verbindet den Oberkörper mit den Beinen. Der Gluteus maximus setzt Bewegungen der Hüfte fort, die seitlichen Gesäßmuskeln stabilisieren das Becken und die Muskeln der Oberschenkel beginnen teilweise bereits an den Beckenknochen. Auf der Vorderseite stellt der Iliopsoas eine weitere Verbindung zwischen Wirbelsäule, Becken und Oberschenkel her. [1][7]

Deshalb betrachte ich Hüfte und Gesäß nicht als isolierte Massagegebiete. Je nach Rückmeldung beziehe ich den unteren Rücken, die seitliche Hüfte oder den oberen Oberschenkel mit ein. So entsteht ein Bild der gesamten Region, statt nur eines einzelnen empfindlichen Punktes.

Die anatomischen Begriffe liefern dafür eine Landkarte. Was sich auf der Liege zeigt, bleibt individuell: ein großer kräftiger Muskel, eine empfindliche Stelle am Beckenkamm, ein tiefer Punkt im Gesäß oder eine Spannung, die sich erst beim Bewegen des Beines bemerkbar macht.

Diese Seite dient der anatomischen Orientierung im Rahmen einer Massage. Anhaltende oder starke Schmerzen, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen oder Kraftverlust, Störungen von Blase oder Darm sowie plötzlich auftretende Beschwerden gehören medizinisch abgeklärt.

Eine körperlich persönliche Region

Gesäß und Hüfte gehören für viele Menschen zu den persönlicheren Körperregionen. Eine klare Absprache schafft hier Sicherheit. Vor und während der Massage lässt sich festlegen, welche Bereiche einbezogen werden und wie die Abdeckung beziehungsweise Bekleidung gehandhabt wird.

Anatomische Genauigkeit und respektvoller Umgang gehören für mich zusammen. Die Kenntnis der Muskelverläufe zeigt, wo eine Berührung sinnvoll angesetzt werden kann. Die Zustimmung des Menschen bestimmt dabei immer, ob und wie dort gearbeitet wird.

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Quellen

[1] Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb: Pelvic Bones – NCBI Bookshelf

[2] Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Gluteus Maximus Muscle – NCBI Bookshelf

[3] Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Gluteus Medius Muscle – NCBI Bookshelf

[4] Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb: Tensor Fasciae Latae Muscle – NCBI Bookshelf

[5] Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb: Piriformis Muscle – NCBI Bookshelf

[6] Anatomy, Sciatic Nerve – NCBI Bookshelf

[7] Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Hip Joint – NCBI Bookshelf

[8] Anatomy, Abdomen and Pelvis: Pelvic Floor – NCBI Bookshelf