Unsere Hände greifen, halten, tragen, tippen, drehen und tasten. Die dafür nötige Arbeit geschieht allerdings nur zu einem Teil in der Hand selbst. Viele der Muskeln, die Finger und Handgelenk bewegen, liegen weiter oben im Unterarm. Ihre langen Sehnen ziehen über das Handgelenk bis in die Hand und zu den Fingern.
Wenn bei einer Massage auf eine empfindliche Stelle am Unterarm gezeigt wird, kann deshalb ein größerer Zusammenhang dahinterstehen. Die Spannung reicht mitunter vom Ellenbogen bis zum Handgelenk. Manchmal meldet sich vor allem der Daumenballen, obwohl die beteiligten Muskeln bereits im Unterarm beginnen.

Anatomisch lässt sich der Arm in mehrere Abschnitte gliedern: Oberarm, Ellenbogen, Unterarm, Handgelenk und Hand. Für die Massage sind diese Grenzen durchlässig. Muskeln und Sehnen ziehen über die Gelenke hinweg, während Nerven und Blutgefäße den gesamten Arm durchlaufen. Eine Region lässt sich deshalb am besten verstehen, wenn auch ihre Nachbarschaft betrachtet wird.
Vom Schultergürtel in den Oberarm
Der Oberarm beginnt bereits an der Schulter. Der M. deltoideus, der Deltamuskel, legt sich wie eine Kappe um das Schultergelenk. Unterhalb davon teilen sich die großen Muskelgruppen des Oberarms in eine Vorder- und eine Rückseite.
Vorne liegt der M. biceps brachii, der zweiköpfige Oberarmmuskel. Er beugt den Ellenbogen und dreht den Unterarm so, dass die Handfläche nach oben zeigt. Unter ihm befindet sich der M. brachialis, der unabhängig von der Stellung der Hand kräftig an der Beugung des Ellenbogens beteiligt ist. [1]
Auf der Rückseite liegt der M. triceps brachii. Seine drei Muskelköpfe laufen in einer gemeinsamen Sehne zusammen, die am Ellenbogen ansetzt. Der Trizeps streckt den Arm; sein langer Kopf besitzt zudem eine Verbindung zum Schulterblatt. [2]
Damit reicht der funktionelle Zusammenhang bereits vom Schulterblatt über den Oberarm bis zum Ellenbogen. Bei der Massage können sich die langen Muskelverläufe am Oberarm deutlich voneinander unterscheiden: Manche Bereiche fühlen sich weich und gut nachgiebig an, andere reagieren bereits auf einen vergleichsweise leichten Druck.
Der Ellenbogen als Übergang
Am Ellenbogen treffen zahlreiche Muskel- und Sehnenzüge auf engem Raum zusammen. Mehrere Beuger von Hand und Fingern besitzen einen gemeinsamen Ursprung an der Innenseite des Oberarmknochens. Viele Strecker beginnen entsprechend an dessen Außenseite. Von dort fächern sie sich über den Unterarm in Richtung Hand auf. [3]
Die knöchernen Vorsprünge an beiden Seiten des Ellenbogens geben bei der Massage eine gute Orientierung. Druckempfindliche Stellen liegen häufig etwas unterhalb dieser Ansätze in den Muskelverläufen. Durch unterschiedliche Stellungen von Hand und Unterarm lässt sich ertasten, welche Bereiche gerade gespannt werden und welche nachgeben.
Die Ellenbeuge selbst ist eine sensible Durchgangsregion für Nerven und Blutgefäße. Meine Arbeit konzentriert sich dort stärker auf die angrenzenden Muskelbäuche als auf tiefen punktuellen Druck.
Beuger und Strecker des Unterarms
Die zahlreichen Muskeln des Unterarms werden vereinfacht in zwei große Gruppen eingeteilt. Auf der Seite der Handfläche liegen überwiegend die Beuger. Sie beugen Handgelenk und Finger und unterstützen das feste Zugreifen. Auf der Rückseite liegen hauptsächlich die Strecker, die Hand und Finger wieder aufrichten und stabilisieren. [3]
Diese Einteilung ist auf der Liege unmittelbar nachvollziehbar. Wird die Hand nach hinten gezogen, treten auf der Innenseite des Unterarms andere Spannungen hervor als bei einer Bewegung in die Gegenrichtung. Auch das Öffnen und Schließen der Finger lässt einzelne Sehnenzüge sichtbar und tastbar werden.
Zu den oberflächlichen und unmittelbar darunterliegenden Beugern gehören unter anderem:
- M. flexor carpi radialis
- M. flexor carpi ulnaris
- M. palmaris longus
- M. flexor digitorum superficialis
Auf der Streckseite liegen unter anderem:
- M. extensor carpi radialis longus
- M. extensor carpi radialis brevis
- M. extensor carpi ulnaris
- M. extensor digitorum
Für eine Massage müssen diese Muskeln nicht alle einzeln voneinander getrennt werden. Ihre Namen helfen jedoch dabei, die Richtung der Fasern und Sehnen zu verstehen. Der Druck kann dadurch entlang des Muskelverlaufs geführt werden, statt lediglich auf einer empfindlichen Stelle stehen zu bleiben.
Der Oberarmspeichenmuskel
Der M. brachioradialis, der Oberarmspeichenmuskel, bildet einen gut tastbaren Strang an der Außenseite des Unterarms. Er beginnt oberhalb des Ellenbogens am Oberarmknochen und zieht bis kurz vor das Handgelenk zur Speiche.
Besonders deutlich tritt er hervor, wenn der Ellenbogen gegen Widerstand gebeugt wird und der Daumen dabei nach oben zeigt. Obwohl er zum hinteren Muskelbereich des Unterarms gerechnet wird, besteht seine wichtigste Aufgabe in der Beugung des Ellenbogens. [3]
Bei der Massage bietet sein langer Verlauf eine gut erkennbare Verbindung zwischen Oberarm, Ellenbogen und Handgelenk. Empfindliche Abschnitte können sowohl nahe dem Ellenbogen als auch weiter unten im Unterarm liegen.
Drehen des Unterarms
Damit sich die Handfläche nach unten drehen kann, bewegt sich die Speiche um die Elle. An dieser sogenannten Pronation ist besonders der M. pronator teres beteiligt. Er verläuft schräg von der Innenseite des Ellenbogens zur Speiche und unterstützt zugleich die Beugung des Unterarms. Weiter unten übernimmt der tiefer gelegene M. pronator quadratus einen Teil derselben Bewegung. [4]
Der schräg verlaufende Pronator teres hebt sich damit von den überwiegend längs verlaufenden Beugern ab. Bei wiederholtem Greifen und Drehen arbeiten diese Muskeln eng zusammen – etwa beim Gebrauch von Werkzeugen, beim Sport und bei vielen alltäglichen Handgriffen.
Auf der Gegenseite unterstützt der M. supinator die Drehung der Handfläche nach oben. Auch der Bizeps beteiligt sich kräftig an dieser Bewegung. [4]

Handgelenk und Sehnen
Am Handgelenk werden aus den kräftigeren Muskelbäuchen des Unterarms lange, schmale Sehnen. Sie übertragen die Bewegung bis in die Hand und zu den Fingern. Auf der Beugeseite verlaufen neun Beugesehnen gemeinsam mit dem Mittelnerv durch den Karpaltunnel. Auf dem Handrücken ziehen die Strecksehnen in mehreren voneinander getrennten Fächern zu den Fingern. [3]
Bei der Massage verändert sich hier die Arbeitsweise. Am Unterarm kann noch großflächig entlang der Muskulatur gearbeitet werden. In Richtung Handgelenk werden die Strukturen schmaler und liegen dichter beieinander. Langsame Bewegungen der Hand und Finger helfen dabei, die einzelnen Sehnenzüge wahrzunehmen.
Die Muskeln der Hand
Die Hand besitzt neben den langen Sehnen aus dem Unterarm auch eigene kleine Muskeln. Sie ermöglichen jene fein abgestimmten Bewegungen, die beim Schreiben, Greifen, Tasten oder Aufheben kleiner Gegenstände benötigt werden.
Am Daumenballen liegt die Thenarmuskulatur. Zu ihr gehören unter anderem:
- M. abductor pollicis brevis
- M. flexor pollicis brevis
- M. opponens pollicis
Diese Muskeln bewegen den Daumen vom Handteller weg, beugen ihn und führen ihn den anderen Fingern gegenüber. Gerade diese Gegenüberstellung macht viele präzise Greifbewegungen möglich. [6]
Auf der Seite des kleinen Fingers befindet sich die Hypothenarmuskulatur. Sie bewegt den kleinen Finger und beteiligt sich an der Wölbung der Handfläche. [7]
Zwischen den Mittelhandknochen liegen außerdem die Mm. interossei, während die Mm. lumbricales entlang der Fingersehnen verlaufen. Gemeinsam koordinieren sie feine Bewegungen der Finger. [6]
Was die Hand bei der Massage erzählt
Die Hand ist klein, besitzt aber eine erstaunlich abwechslungsreiche Oberfläche. Daumen- und Kleinfingerballen bilden weiche Muskelpolster, während in der Mitte die festere Palmaraponeurose liegt. Dazwischen lassen sich Knochen, Sehnen und kleine Muskelräume ertasten.
Bei einer Handmassage geben bereits langsame Bewegungen viel Aufschluss. Ich kann die Finger einzeln bewegen, den Daumen vorsichtig führen und beobachten, wie sich die Spannung im Handteller verändert. Manche Menschen empfinden einen ruhigen Druck in der Handfläche als besonders wohltuend. Andere reagieren stärker an den Daumenballen, zwischen den Mittelhandknochen oder am Übergang zum Unterarm.
Auch hier entsteht die Massage im Dialog. Die Hand muss dabei nichts leisten und nichts festhalten. Vielleicht ist gerade das ein Teil ihres besonderen Entspannungsgefühls.
Der Arm als zusammenhängende Bewegungskette
Eine Bewegung der Finger beginnt häufig im Unterarm. Eine Drehung der Hand verändert die Stellung von Speiche und Elle. Die Beugung des Ellenbogens beteiligt Bizeps, Brachialis und Brachioradialis, während das Schulterblatt den gesamten Arm auf dem Brustkorb begleitet.
Deshalb betrachte ich Arme, Unterarme und Hände nicht als getrennte Massagegebiete. Ich folge den sichtbaren und tastbaren Verbindungen und achte darauf, wo eine Bewegung leicht gelingt, wo Gewebe empfindlich reagiert und wo sich der Druck angenehm fortsetzt.
Die anatomischen Namen geben dabei Orientierung. Entscheidend bleibt, wie sich der Arm des konkreten Menschen auf der Liege anfühlt.
Diese Seite dient der anatomischen Orientierung im Rahmen einer Massage. Anhaltende Schmerzen, Taubheitsgefühle, auffällige Kraftverluste, starke Schwellungen oder plötzlich auftretende Beschwerden gehören medizinisch abgeklärt.
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Quellen
[1] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Biceps Muscle – NCBI Bookshelf
[2] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Triceps Muscle – NCBI Bookshelf
[3] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Forearm Compartments – NCBI Bookshelf
[4] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Pronator Teres – NCBI Bookshelf
[5] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Forearm Bones – NCBI Bookshelf
[6] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Hand Intrinsic Muscles – NCBI Bookshelf
[7] Anatomy, Shoulder and Upper Limb, Hand Hypothenar Eminence – NCBI Bookshelf
