Wie fest sollte eine Massage sein?

Zwischen unwirksam und schmerzhaft liegt „genau richtig“

Wie fest sollte eine Massage eigentlich sein?

Darauf gibt es leider keine allgemeingültige Antwort. Manche Menschen wünschen sich eine ruhige, entspannende Behandlung. Andere sagen schon nach den ersten Handgriffen: „Sie dürfen ruhig fester.“ Wieder andere empfinden einen Druck als unangenehm, bei dem jemand anders erst das Gefühl bekommt, dass die Massage nun richtig beginnt.

Die passende Intensität ist deshalb kein fester Wert. Sie hängt vom Menschen, von der behandelten Körperstelle, von der Tagesform und auch vom Verlauf der Massage ab.

Der richtige Druck wird nicht einmal eingestellt und dann für eine Stunde beibehalten. Er muss immer wieder neu gefunden werden.

Warum es keine feste Anleitung für die Intensität gibt

In einer Massageausbildung lassen sich Griffe, Körperhaltung, Arbeitsweise und anatomische Grundlagen vermitteln. Schwieriger ist die Frage, wie viel Druck ein bestimmter Mensch an einer bestimmten Stelle als angenehm, wirksam oder schmerzhaft empfindet.

Dafür gibt es keine universelle Skala.

Ein kräftiger Griff kann an einer großen Muskelpartie angenehm sein und wenige Zentimeter daneben bereits zu viel. Ein empfindlicher Punkt kann zu Beginn stark reagieren und später deutlich weniger unangenehm sein.

Auch die persönliche Wahrnehmung unterscheidet sich erheblich. Wo eine Kundin oder ein Kunde sagt: „Ja, genau da – noch etwas fester“, ist bei einem anderen Menschen die Schmerzgrenze bereits erreicht.

Deshalb verlasse ich mich nicht nur auf mein eigenes Gefühl in den Händen. Ich brauche die Rückmeldung meiner Kundinnen und Kunden.

Rückmeldung ist Teil der Massage

Diese Rückmeldung muss kein dauerhaftes Gespräch sein.

Manchmal reicht ein kurzes:

„Hier?“

und die Antwort:

„Ja, etwas weiter oben.“

Danach kann wieder für längere Zeit Ruhe entstehen.

Auch Atemfrequenz, Muskelspannung, eine kleine Bewegung oder ein leise geäußerter Ton können Hinweise geben. Entscheidend ist aber, dass sich Kundinnen und Kunden jederzeit melden dürfen und sollen.

Ich arbeite gern mit kurzen Rückfragen, sofern dies gewünscht ist. Das Gespräch dient mir nicht dazu, die gesamte Massage zu kommentieren. Es hilft mir, die momentane Situation besser einzuschätzen:

  • Ist der Druck passend?
  • Liegt der empfindliche Punkt etwas weiter oben oder seitlich?
  • Soll ich an dieser Stelle bleiben?
  • Darf es fester sein?
  • Oder ist es bereits zu viel?

Je genauer die Rückmeldung ist, desto genauer kann ich arbeiten.

Darf eine Massage wehtun?

Ja, eine Massage darf auch wehtun – wenn die Kundin oder der Kunde das ausdrücklich möchte und wir das vorher geklärt haben.

Manche Menschen empfinden einen intensiven Druck als hilfreich oder sogar angenehm. Häufig wird dafür der Ausdruck „süßer Schmerz“ verwendet: deutlich spürbar, aber noch kontrollierbar und erwünscht.

Andere möchten während einer Massage überhaupt keinen Schmerz erleben. Auch das ist vollkommen richtig.

Schmerz ist kein Beweis dafür, dass eine Massage besonders wirksam ist. Mehr Druck ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist, was die betreffende Person möchte und wie sie den Druck in diesem Moment wahrnimmt.

Ich nähere mich einer intensiven Stelle deshalb vorsichtig. Ich erhöhe den Druck schrittweise und gehe nur so weit, wie es für meine Kundin oder meinen Kunden passend ist.

Was „genau richtig“ bedeutet, entscheide nicht ich.

Der passende Druck kann sich während der Massage verändern

Oft kann ich am Ende einer Massage kräftiger arbeiten als zu Beginn.

Das Gewebe ist dann bereits erwärmt, die Muskulatur hat sich gelockert und die Person ist mit den Berührungen vertrauter geworden. Ein Druck, der zu Beginn noch deutlich oder unangenehm war, kann später wesentlich besser angenommen werden.

Gerade bei empfindlichen Punkten höre ich deshalb häufig nach einem späteren Durchgang:

„Das ist schon besser geworden.“

Das bedeutet nicht, dass der Druck ständig gesteigert werden muss. Manchmal ist später sogar weniger nötig. Entscheidend ist, immer wieder neu zu prüfen, wie sich die Stelle und die Wahrnehmung verändert haben.

Warum ich Triggerpunkte mehrfach bearbeite

Einen auffälligen oder empfindlichen Punkt nur einmal kurz zu berühren und danach nicht wieder aufzusuchen, halte ich häufig für wenig sinnvoll.

Ich arbeite bei Triggerpunkten eher in mehreren Schritten:

  • den Punkt genau lokalisieren,
  • den Druck langsam aufbauen,
  • den Punkt länger halten,
  • wieder nachlassen,
  • die Umgebung bearbeiten,
  • und später erneut zu derselben Stelle zurückkehren.

Das kann mehrfach direkt hintereinander und zusätzlich mehrfach im Verlauf der Massage geschehen.

Die Wiederholung ist dabei wichtig. Sie ermöglicht es, die Reaktion immer wieder neu zu prüfen und die Intensität anzupassen. Manchmal verändert sich ein Punkt bereits während einer Sitzung deutlich. Manchmal bleibt er empfindlich und braucht vorsichtigere Arbeit.

Der Vergleich mit Krafttraining liegt nahe: Auch dort entsteht die eigentliche Arbeit selten durch einen einzigen kurzen Impuls. Bei einer Massage geht es allerdings nicht darum, möglichst viele Wiederholungen oder möglichst viel Druck zu erzeugen. Es geht um kontrollierte, aufmerksame Wiederholung.

Gemeinsam den richtigen Bereich finden

Zwischen „kaum spürbar“ und „zu schmerzhaft“ liegt kein für alle Menschen identischer Punkt.

Es gibt nur den Bereich, der sich für diese Kundin oder diesen Kunden, an dieser Stelle und in diesem Moment genau richtig anfühlt.

Diesen Bereich finde ich nicht allein durch Technik. Ich finde ihn durch meine Hände, durch Beobachtung und vor allem durch Rückmeldung.

Deshalb dürfen meine Kundinnen und Kunden jederzeit sagen:

„Fester.“
„Etwas weniger.“
„Bleiben Sie dort.“
„Noch etwas weiter oben.“
„Genau so.“

Eine gute Massage ist kein starrer Ablauf. Sie ist eine fortlaufende Abstimmung.

Und manchmal leuchtet dabei innerlich genau die kleine Lampe auf, die auf meinem Massage-Schmerzometer oben steht:

GENAU RICHTIG